Wonach sehnst du dich?
„Hoffnung ist nicht die Überzeugung, dass etwas gut ausgeht, sondern die Gewissheit, dass etwas Sinn hat, egal wie es ausgeht.“ (Vaclav Havel)
Wo erlebe ich mein Leben als sinnhaft?
Was lässt mich an einem tieferen Sinn zweifeln?
Kann ich darauf vertrauen, dass mein Weg von oben „geführt“ oder „begleitet“ ist?
Impuls:
Jeder Mensch hat Sehnsucht, sei es nach Frieden, Freude, Gesundheit, nach guten Freunden und Beziehungen, einer erfüllenden Partnerschaft, einer Aufgabe, in der man sich entfalten kann, und vieles, vieles mehr. Kurz: jeder möchte glücklich sein.
Sehnsucht ist eine leise Stimme in uns. Sie erinnert uns daran, dass wir auf dem Weg sind, dass wir suchen – nach Erfüllung, nach Liebe, nach einem Sinn, der größer ist als wir selbst. Doch was gibt meinem Leben Sinn?
Vaclav Havel sagt: „Hoffnung ist nicht die Überzeugung, dass etwas gut ausgeht, sondern die Gewissheit, dass etwas Sinn hat, egal wie es ausgeht.“ Diese Worte fordern heraus. Sie laden ein, tiefer zu blicken: Gibt es einen Sinn jenseits von Erfolg oder Scheitern?
In der Verkündigung für das Heilige Jahr schreibt Papst Franziskus:
„Alle hoffen. Im Herzen eines jeden Menschen lebt die Hoffnung als Wunsch und Erwartung des Guten, auch wenn er nicht weiss, was das Morgen bringen wird. Die Unvorhersehbarkeit der Zukunft ruft jedoch teilweise widersprüchliche Gefühle hervor: Zuversicht oder Angst, Gelassenheit oder Verzweiflung, Gewissheit oder Zweifel. Oft begegnen wir entmutigten Menschen, die mit Skepsis und Pessimismus in die Zukunft blicken, so als ob ihnen nichts Glück bereiten könnte. Möge das Heilige Jahr für alle eine Gelegenheit sein, die Hoffnung wieder aufleben zu lassen.“
Wo in meinem Leben erfahre ich Hoffnung? Sind es bestimmte Momente, in denen ich das Gefühl habe, dass alles rund ist und zusammenpasst? Oder gibt es Momente, in denen ich mich mit meiner Leidenschaft, meiner Arbeit oder mit meinen eigenen Zielen beschäftige? Oder kenne ich Herausforderungen, die mich spüren lassen, dass in mir etwas zum „Grösseren“ angelegt ist, dass sie Kräfte in mir wecken für meine persönliche Weiterentwicklung?
Daneben gibt es bestimmt auch die Momente, in denen ich an einem tieferen Sinn zweifle. Manchmal erscheinen die Umstände des Lebens willkürlich, ungerecht oder schwer nachvollziehbar. Der Verlust eines geliebten Menschen, das Scheitern von Träumen oder das Gefühl, in einem endlosen Kreislauf festzustecken – all das lässt mich innehalten und fragen: Was ist der Sinn hinter all dem? Warum passiert mir das? In solchen Momenten erlebe ich Zweifel und suche nach Antworten, die mir den Sinn der Dinge erklären könnten.
Mir kommt das Brautpaar in den Sinn, das kurz vor der Hochzeit einen Autounfall hatte. Die Frau erlitt dabei eine schwere Rückenverletzung, sodass sie über mehrere Wochen im Krankenhaus liegen musste. Der Mann ist jeden Tag zu ihr gekommen, aber sie konnten – ausser miteinander reden – nichts zusammen unternehmen. Später sagte das Paar: diese Erfahrung möchten wir niemandem wünschen: es war sehr hart! Aber wir für uns möchten diese Zeit nicht missen, uns hat diese Erfahrung tiefer miteinander verbunden.“
Einen Sinn erfahren, das kann etwas sehr Spontanes sein, oder erst im Nachhinein langsam zum Bewusstsein kommen. Es kann eine Ahnung sein, dass wir in bestimmten Momenten des Lebens besonders „geführt“ oder „begleitet“ sind.
Anregung:
Vielleicht magst du dir Zeit nehmen, solchen Momenten in deinem Leben nachzuspüren, dafür zu danken, oder in einer Kirche eine Kerze anzuzünden,
und mit solchen oder ähnlichen Worten zu beten:
Gott, Du bist mir nahe, noch bevor ich zu dir komme,
du bist bei mir, auch wenn ich nicht an dich denke.
Sieh auf mein Herz und meine Sehnsucht nach Glück,
sieh auf meinen Willen zum Guten,
und auch auf meine dunklen Gedanken.
Mache mein Herz offen für die Zeichen deiner Begleitung,
und lass mich vertrauensvoll den Weg meines Lebens mit dir gehen.
Amen.